Kaum ein Rechtsgebiet ist so starken Entwicklungen und Veränderungen unterworfen wie das Familienrecht. Die Abkehr vom Verschuldensprinzip sowie die Einführung des Versorgungsausgleichs waren schon vor längerer Zeit richtungsweisend. Der Fortbestand des gemeinsamen Sorgerechtes über die Ehescheidung hinaus wird heute als selbstverständlich empfunden. Die früheren erbitterten Sorgerechtsstreitigkeiten sind heute die Ausnahme. Mit dem gemeinsamen Sorgerecht hat sich heute ebenso das Verständnis des Umgangsrechtes des nicht betreuenden Elternteils und dessen Durchsetzbarkeit nachhaltig verändert.

Die Unterhaltsrechtsreform 2008 kam zwar in der Öffentlichkeit mit sehr allgemein gehaltenen Schlagworten an, in den konkreten Auswirkungen wird sie indessen heute erst von den Betroffenen erfasst. Bedeutung und Tragweite des Prinzips der Eigenverantwortung, ehebedingter Nachteile und Begrenzungen oder Befristungen nachehelicher Unterhaltsansprüche in Abhängigkeit von dem individuellen Ermessensspielraum des zuständigen Richters haben im Rechtsalltag nicht entlastet, sondern zusätzlich belastet.

Die juristischen Vorgaben werden regelmäßig durch erhebliche emotionale Belastungen und Konflikte, Existenzängste, Zukunftssorgen für sich und die Kinder geprägt. Tatsächliche und rein pragmatische Fragestellungen sind zu berücksichtigen.